Beschreibung der Workshops/Vorträge

Mag.a Dr.in Veronika Wöhrer

Vortrag: Was heißt „gemeinsam forschen“? Potentiale und Schwierigkeiten in der partizipativen Aktionsforschung

Beschreibung des Vortrags: In diesem Vortrag werden Grundprinzipien der partizipativen (Aktions-)Forschung vorgestellt und insbesondere ihre Anwendung mit Kindern und Jugendlichen diskutiert. Dabei wird auf folgende Fragen eingegangen: Was sind Potentiale, was sind (potentielle) Schwierigkeiten, die in der partizipativen Zusammenarbeit mit Ko-Forscher*innen entstehen können. Wie können Personen, denen gesellschaftlich weder großes Wissen noch große Erfahrung zugesprochen werden, in einem gemeinsamen Prozess zu Forschenden werden? Außerdem werden mögliche Implikationen partizipativer Herangehensweisen für das Selbstverständnis der Sozialwissenschaften diskutiert.

Workshop: „Mir Hat das Forschen schpas gemacht Ich hete es wider gemacht.“ Partizipative (Aktions-)Forschung mit Kindern und Jugendlichen

Beschreibung des Workshops: Im Workshop werden anhand von zwei Forschungsprojekten Möglichkeiten vorgestellt und diskutiert, wie Kinder und Jugendliche aktiv als Ko-Forschende einbezogen werden können. Dabei werden konkrete Methoden präsentiert, die mit Kindern und Jugendlichen angewandt werden können und es werden Daten aus den Projekten gemeinsam diskutiert. Eigene Erfahrungen und Forschungen der Teilnehmer*innen können ebenfalls eingebracht werden.

Zur Person: Veronika Wöhrer ist Universitätsassistentin am Institut für Soziologie der Universität Wien. Sie leitete mehrere Projekte (Tricks of the Trade; Grenzgänge), in denen sie mit Kindern und Jugendlichen partizipativ forschte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bildungssoziologie, Gender Studies, interpretative und partizipative Methoden.

Publikationen dazu:

Wöhrer, Veronika / Arztmann, Doris / Wintersteller, Teresa / Harrasser, Doris / Schneider, Karin (2017): Partizipative Sozialforschung mit Kindern und Jugendlichen. Von Schulsprachen, Liebesorten und anderen Forschungsdingen, Wiesbaden: Springer VS Verlag.

Wöhrer, Veronika / Höcher, Bernhard (2012). Tricks of the Trade—Negotiations and Dealings between Researchers, Teachers and Students [77 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 13(1), Art. 16, abrufbar auf: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1201164


Dr. Michael Zander

Vortrag: Partizipative Methodologie der Disability Studies und Praxisforschung 

Beschreibung des Vortrags: Der Mainstream betrachtet Menschen als „Organismen“, die sich an eine „Umwelt“ anpassen (Gerrig & Zimbardo, 2007). Demgegenüber versteht die Kritische Psychologie Menschen als aktiv handelnde Subjekte, die in jeweils unterschiedlichem Maße an der gemeinsamen Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess teilhaben. Im Idealfall sind sie nicht Objekte der Forschung, sondern Mitforschende angesichts eines gemeinsamen Problems, ähnlich wie in der Aktionsforschung Lewins. Ein mögliches Format kritisch-psychologischer Analyse ist Praxisforschung, verstanden als Intervision zu berufspraktischen Fragen von Studierenden. Wie die Kritische Psychologie stehen auch die interdisziplinären Disability Studies in der Tradition Lewins. Im Rahmen ihrer Participatory Action Research sollen insbesondere behinderte Menschen Subjekte der Forschung sein. Der Vortrag diskutiert Begründung, Möglichkeiten und Grenzen beider Ansätze.

Workshop: Praxisforschung und Intervision

Beschreibung des Workshops: Im Rahmen des Workshops wird kritisch-psychologische Praxisforschung als Verfahren der Intervision anhand von Beispielen aus verschiedenen Forschungsgruppen vorgestellt. Es besteht die Möglichkeit, eigene Fragen zu berufspraktischen Problemen in die Diskussion einzubringen.


Prof.in. Dr.in phil. Ariane Brenssell

Vortrag: „Kontextualisierte Traumarbeit- Eine partizipative Forschung“

Beschreibung des Vortrags: Zusammen mit dem „Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt (bff)“, in dem 170 Fachstellen zu (sexueller) Gewalt an Frauen organisiert sind, und mit Expertinnen aus Erfahrung haben wir untersucht: Was verändert sich, wenn man in der Arbeit von einem erweiterten Traumaverständnis ausgeht in dem gesellschaftliche Machtverhältnisse systematisch berücksichtigt werden? Wir werden den Anlass für die Entstehung des Projekts, unsere partizipative Herangehensweise und zentrale Erkenntnisse skizzieren: Was macht eine kontextualisierte Traumaarbeit aus? Welche Implikationen hat es für die Beratungsarbeit und für die Konzepte von Traumata, wenn die Bearbeitung von Gewalterfahrungen und Traumata konsequent als gesellschaftlich vermittelte Prozesse verstanden werden?

Zur Person: Ariane Brenssell studierte Kritische Psychologie an der FU Berlin. Sie arbeitete als Beraterin in einem Krisen- u. Beratungszentrum für vergewaltigte und sexuell belästigte Frauen. Seit 2010 ist sie Professorin für Psychologie in der Sozialen Arbeit, seit 2015 an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Braunschweig/Wolfenbüttel. Schwerpunkte ihrer Lehre sind Beratung und Intervention im Kontext von Trauma , Psychosoziale Arbeit, (Kritische) Psychologie, Bedeutung neoliberaler Globalisierung für Alltag und Soziale Arbeit, partizipative Praxisforschung.

Letzte Veröffentlichung: Texte zur kritischen Psychologie Band 8/I: Psychologie: Theorien und Begriffe und Band 8/II: Schulen und Praxen zusammen mit Klaus Weber.


Dr. Niklas Alexander Chimirri & Dr. Martin Dege & Dr. Athanasios Marvakis

Workshop: Zukunftswerkstatt (qualitative) Methoden, soziale Bewegungen und politisches Handeln

Beschreibung des Workshops: Ausgehend von der Debatte um gegenstandsadäquate Methoden und adäquater Anwendung existierender Methoden/Methodologien in der (qualitativen) Forschung sowie den damit verbundenen und vielfach diskutierten Gütekriterien wollen wir in unserer Zukunftswerkstatt beginnen mit der Frage nach der Rolle von Methoden in der (empirischen) Sozialforschung überhaupt: Was ist die Methodologie methodologischen Denkens? Welche vorgefassten methodologischen Zugänge ordnen unsere Wissenspolitik schon vorab? Welche Rolle weist unsere Wissenspolitik den Methoden zu?
In einem zweiten Schritt wollen wir über diese analytische Betrachtung hinausweisen und eine (oder mehrere) alternative Perspektive(n) entwerfen. Um dies zu ermöglichen wollen wir an Hand konkreter Beispiele verschiedener Organisationsformen innerhalb der Gesellschaft (Institutionen, soziale Bewegungen, Kooperativen) diskutieren, inwieweit diese unterschiedliche Epistemologien bedingen und damit unterschiedliche Gegenstände begründen, die zu alternativen Fragestellungen und damit notwendiger Weise zu differenten Methoden führen.
Schließlich wollen wir in einem letzten Schritt reflektieren wie sich diese Überlegungen auf uns als SozialwissenschaftlerInnen, also den Wissenssubjekten auswirken: Wo sind wir auf dem Spektrum Arbeit für einen social cause bis Bevölkerungsmanagement mit unserem Tun zu verorten?

Zu den Vortragenden:

Niklas A. Chimirri arbeitet am Department for People & Technology der Roskilde Universität, Dänemark. Seine Forschung und Lehre erforschen partizipativ die subjektive und ethische Bedeutung digitaler und analoger Artefakte für die alltägliche Lebensführung. Dabei verknüpft er eine sozialpsychologische Praxisforschung des Alltags mit Begriffen und Diskussionen aus der Technik-, Design- und Rezeptionsforschung sowie der intergenerationellen Kindheitsforschung.

Martin Dege arbeitet im Psychology Department der American University of Paris. Seine Forschungsinteressen sind die Geschichte der Psychologie sowie der partizipativen Forschung, Narration, sowie Technik und Psychologie

Athanasios Marvakis ist Professor für Klinische Sozialpsychologie an der Aristoteles Universität von Thessaloniki. Seine (akademischen) Interessen drehen sich vor allem um die Psychologie und ihr Verhältnis mit Formen sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung; Kritische Psychologie des Lernens und des „schooling-complex“; (Kritische) Psychologie und Neoliberalismus.


Dr.in Laila Huber & Ass.Prof.in Dr.in Elke Zobl

Workshop: „Making Art – Taking Part! Strategien des künstlerischen und kulturellen Intervenierens im Kontext von partizipativer Forschung und kritischer Kulturvermittlung

Beschreibung des Workshops: Was heißt es mit Jugendlichen zu forschen, zu intervenieren und Kritik zu üben? Welche Fragen stellen sich Jugendliche heute? Und wie wollen sie den öffentlichen Raum mitgestalten und verändern? In diesem Workshop stellen wir anhand von zwei Projekten Strategien des künstlerischen und kulturellen Intervenierens in Öffentlichkeiten im Kontext von partizipativer Forschung und kritischer Kulturvermittlung vor (www.makingart.at,www.takingpart.at). Im ersten Teil des Workshops werden die Projekte und die darin entwickelten Materialien (Toolbox) vorgestellt und in Übungen ausprobiert. Im zweiten Teil wird es um Erkundungen und performative Interventionen im öffentlichen Raum gehen. Das Erproben von Strategien der Intervention und das Reflektieren der Übungen im Kontext partizipativer Forschungsprozesse mit Jugendlichen stehen dabei im Vordergrund.

Zu den Vortragenden:

Laila Huber ist Kulturanthropologin und Kulturarbeiterin. Sie studierte Kulturanthropologie, Soziologie und Kulturmanagement in Graz, Salzburg und Neapel. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind partizipative Kunst- und Kulturarbeit, Stadtanthropologie, kritische Kunst- und Kulturvermittlung, Inter-/Transkulturalität sowie Inklusion/Exklusion. 2014 promovierte sie im Rahmen des Doktoratskollegs „Kunst und Öffentlichkeit“ mit einer urbanethnologischen Studie zu Kreativität und Raumaneignung am Beispiel Salzburg, am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst der Universität Salzburg und Mozarteum. Die Schnittstelle zwischen Forschung und kritischer Kunst- und Kulturvermittlung ist zentraler Ansatzpunkt für ihre Methoden- und Theoriearbeit. Partizipative Prozesse mitzugestalten ist ihr sowohl in der forschenden als auch kulturarbeiterischen Tätigkeit ein Anliegen. Derzeit ist sie Lektorin an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Elke Zobl’s Arbeitsschwerpunkte liegen auf den vielschichtigen Prozessen, Möglichkeiten und Ambivalenzen von Partizipation, Intervention und Vermittlung im Kontext von Kunst, Kultur und Medien. Sie leitet seit 2010 den Programmbereich Zeitgenössische Kunst und Kulturproduktion am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst, einer Kooperation der Paris-Lodron Universität und der Universität Mozarteum Salzburg, sowie verschiedene Drittmittelprojekte in den Bereichen Forschung, Wissenschaftskommunikation und Kultur, aktuell „Kulturelle Teilhabe in Salzburg“ (www.p-art-icipate.net). Als Kulturvermittlerin führt sie Workshops mit Jugendlichen durch, bietet Weiterbildungsangebote für Multiplikator_innen an und entwickelt laufend künstlerisch-edukative Vermittlungsmaterialien. http://www.w-k.sbg.ac.at/conart


Podiumsdiskussion: Emanzipatorische und transformative Forschung heute – Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Perspektiven

Wird die gesellschaftliche Verantwortung von Universitäten und Wissenschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, muss die Frage nach dem Zweck von wissenschaftlicher Arbeit gestellt werden. Forschungsarbeiten, welche dabei einen emanzipatorischen und transformativen Auftrag angenommen haben, können auf eine lange, wenn auch umstrittene, Tradition zurückblicken. In der Podiumsdiskussion werden wir uns näher mit diesem Ziel von Forschung auseinandersetzen. Dabei sollen unter anderem folgende Fragen diskutiert werden können: Was ist überhaupt unter emanzipatorischer Forschung zu verstehen und gibt es Kriterien, welche diese zu erfüllen hätte? Wie könnte eine solche Forschung in der Praxis umgesetzt werden und vor welchen Schwierigkeiten können Forschenden dabei stehen? Diese Hürden können sich beispielsweise aus ethischen Gesichtspunkten, aus strukturellen Bedingungen von Wissenschaft oder gesellschaftlichen Interessenskonflikten ergeben. In der Diskussion soll zudem erörtert werden, wie mit diesen Schwierigkeiten in der Praxis umgegangen werden kann. Zusätzlich soll der Aspekt der Parteilichkeit von Forschung erörtert werden, wobei hier der Frage nachgegangen wird, ob und wessen Interessen in konflikthaften Situationen im Forschungsprozess unterstützt werden sollten.

Forschung ist für den kritischen Psychologen Klaus Holzkamp emanzipatorisch „[…] sofern sie zur Selbstaufklärung des Menschen über seine gesellschaftlichen und sozialen Abhängigkeiten beiträgt und so die Voraussetzungen dafür schaffen hilft, dass der Mensch durch Lösung von diesen Abhängigkeiten seine Lage verbessern kann.“ (1970, S.37).

Diese Bestimmung Holzkamps kann weitere Punkte in unsere Diskussion einbringen. Was kann unter der „Selbstaufklärung des Menschen“ verstanden werden und wie könnte diese in der Forschung gefördert werden? Im Zentrum sollen hier die Ansätze der partizipativen, subjektwissenschaftlichen Forschung sowie die Aktionsforschung stehen, wobei die Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten für die betroffenen Subjekte und die Beteiligung dieser am Prozess in den Fokus der Diskussion genommen werden sollen.

Wir freuen uns auf eine spannende Podiumsdiskussion.

Holzkamp, Klaus (1970). Das Problem der Relevanz psychologischer Forschung für die Praxis. In: Ders., Schriften, Bd. 5, Hamburg: Argument: 2009, 15–40.